
Zeitzeugen aus Rishon Le-Zion
Konzentriert lauschten Schülerinnen und Schüler der 13er-Geschichtskurse Judith Yerushalmi-Terris, die als Überlebende des Holocaust von ihren Erlebnissen berichtet.
Sie ist gemeinsam mit ihrem Ehemann AI Terris sowie einem weiteren Zeitzeugen, Rafael Yedidya, von der Stadt Münster anlässlich des Jubiläums „25 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Münster und Rishon Le-Zion" eingeladen worden, u.a. um an Schulen über ihre Erlebnisse während der Nazi-Zeit zu berichten.

- Rafael Yedidya, Judith Yerushalmi-Terris und ihr Ehemann AI Terris
„Ich erzähle euch meine Überlebensgeschichte", beginnt Yerushalmi-Terris mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen. Die 1935 in Nordrumänien geborene Jüdin berichtet den aufmerksamen Schülern, wie sie als nicht ganz sechsjähriges Mädchen zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern in ein Zwangsarbeiterlager nahe dem Fluss Nistria deportiert wurde. Wir wurden alle zu einem Bahnhof gebracht und mussten in Waggons einsteigen. Es war sehr laut, und deutsche Offiziere schrien Anweisungen", erinnert sich Judith Yerushalmi-Terris. Erst nach fast fünf Jahren erlebte das junge Mädchen die Befreiung und kehrte mit ihren Eltern vorerst in ihre Heimatstadt Czernowitz zurück, bevor sich die Familie entschied nach Rumänien auszuwandern. Von dort emigrierte man schließlich nach Israel.
Die Geschichte des 1938 in Berlin geborenen Rafael Yedidya war hingegen eine ganz andere. Er musste als kleiner Junge den Transport seiner ganzen Familie nach Theresienstadt miterleben, wo er bis Kriegsende überleben musste. „Die Russen haben uns befreit", erinnert sich der Israeli.

- Während Raphael Yedidya über seine Kindheit im Lager Theresienstadt berichtet, betrachtet eine Schülerin den damals von ihm zu tragenden Judenstern.
Über die Reaktionen der zukünftigen Abiturienten waren alle Zeitzeugen aber gleichermaßen erstaunt. „Die Aufmerksamkeit und das Mitgefühl der Schüler sind das größte Geschenk, das ein Opfer des Holocaust bekommen kann", schlossen die israelischen Gäste die Gesprächsrunde. Die Schüler wiederum waren tief beeindruckt von der Lebensgeschichte der beiden Zeitzeugen: "Das ist doch noch etwas ganz anderes als ein Text im Schulbuch", befanden die Schüler.