17.03.2007

Grenzen, Gewalt, Gefühl

Margret Greiner legte Zwischenstopp am Geschwister-Scholl-Gymnaisum ein

KINDERHAUS - Aufregung im Musikraum des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. In den ersten beiden Stunden gibt es für die Zehner und Elfer heute keinen Unterricht- sondern Besuch. Margret Greiner kommt, sie ist ja schon da. Die Lehrerin ist Buchautorin - und was das Interessante daran ist: Sie unterrichtet Deutsch an einem palästinensischen  College in Jerusalem, lebt aber im israelischen Teil. Als sie sich entschloss in Jerusalem zu arbeiten, herrschte, politisch gesehen, „verhältnismäßig Ruhe" zwischen Israeliten und Palästinensern. Kurz darauf kam es zur zweiten Intifada, die Gewalt im Land nahm wieder schlagartig zu. Greiner wurde zur Grenzgängerin, geriet zwischen die Fronten, erlebte die Angst, Wut und Verzweiflung der Menschen auf beiden Seiten. Hinzu kam die Furcht vor Selbstmord-Attentaten, bis zu sechs am Tage.

Geprägt

„Unterricht", verrät Greiner, „war in dieser Zeit kaum möglich. Zu stark waren die Schüler geprägt von den Erlebnissen, Bildern und Situationen um sie herum", so Greiner. Die Erfahrungen aus dieser schlimmen Zeit hat Margret Greiner in einem Roman verarbeitet.

Jefra - heißt Palästina

„Jefra", heißt er. „Die Hauptperson ist fiktiv", erklärt Greiner, „aber die Geschichte stammt aus einer Vielzahl von Erlebtem." Die Patriotin Lama Tarayra ist das Vorbild für Jefra, die Titelfigur. Greiner unterrichtete sie an dem palästinensischen College. Jefra ist 16 und Palästinenserin, seit der zweiten Intifada ist ihr Leben geprägt von Tod und Hass. Und manchmal, da glaubt sie, „zu ersticken, an der Gewalt, die ihnen angetan wird. Warum dies alles?", fragt sie sich - hin- und hergerissen zwischen Freiheitsträumen und arabischer Tradition. Dennoch: Sie will die Illusion an der Verständigung zwischen Israeliten und Palästinensern nicht verlieren.

Gebannt lauschen die Schüler der rhetorisch einwandfreien Lesung Greiners.  Im anschließenden offenen Gespräch zeigen sie ihr Interesse, stellen Fragen und waren ernst und berührt zugleich. Im Unterricht hatten die Schüler die Hintergründe des Nahostkonflikts bereits aufgearbeitet. 

MZ - 17.3.2007  - nora