Ein Projekt mit Folgen

Die Projektgruppe trifft sich in ihrer Freizeit im Stadtarchiv, um nach den Spuren von Fremden in Münster zu suchen. Hier auf dem Bild mit Herrn Dr. Lambacher, Frau Link und Frau Fisch vom Stadtarchiv sowie Frau Börger und Frau Pauge vom Geschwister-Scholl-Gymnasium

„Damals fremd  -  heute vertraut" – Jugendliche Spurensucher bereiten sich vor - Zeitzeugen gesucht

Früher galt jeder Nicht-Münsteraner als fremd in der Stadt. Heute steht Fremde als Synonym für Ausländer. Im Stadtarchiv suchen seit Januar im Rahmen des Landes-wettbewerbs „Archiv und Jugend" 14 Jugendliche des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in ihrer Freizeit nach Orten der Migration in Münster.
Betreut werden sie dabei von ihren Lehrerinnen Ingrid Börger und Gisela Pauge sowie von Ingrid Fisch und Roswitha Link vom Stadtarchiv.

Roswitha Link vom Stadtarchiv Münster zeigt der Projektgruppe einige kostbare Archivalien.

„Ziel ist ein virtueller Stadtplan im Internet, in dem Orte gekennzeichnet werden, die mit der Geschichte von Fremden in Münster zu tun haben", erklärt Ideengeberin Roswitha Link, die die Jury eines Landeswettbewerbs von dem Projekt überzeugen konnte. Diese Orte sollen aufgesucht und mit aktuellen und historischen Bildern in der abschließenden Präsentation dargestellt werden. Hinzu kommen Texte, die die Geschichte des Ortes und der Menschen, die dort gelebt und gearbeitet haben, erläutern. „Die Gruppe besteht aus Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund und aus Jugendlichen, deren Geschichte in Deutschland spielt", berichten die Pädagoginnen Ingrid Börger und Gisela Pauge. Wer, Wie, Wo und Warum – das sind die Fragen, die die jungen Spurensucher beschäftigen. Welches Thema sie wählen und wie weit die Jugendlichen in die Vergangenheit zurückgehen, bleibt ihnen überlassen.
Noch befinden sich keine Markierungspunkte in dem Stadtplan, aber viele Stellen sind denkbar und einige Einrichtungen auch schon bekannt, die durch die Mithilfe von Fremden in Münster zu dem geworden sind, wie wir sie heute kennen.

Jochen Köhnke, Dezernent für Aussiedler-, Flüchtlings- und Asylbewerber-angelegenheiten der Stadt Münster, beantwortet Fragen der Schüler und ihrer Lehrerinnen Gisela Pauge und Ingrid Börger.

Bisher ging es darum, Informationen zu sammeln und sich einen Überblick über die Geschichte von Fremden in Münster in der Vergangenheit und Gegenwart zu verschaffen. So besuchten die Acht- bis Dreizehnklässler bereits Jochen Köhnke, Dezernent für Aussiedler-, Flüchtlings- und Asylbewerberangelegenheiten der Stadt Münster. Doch nun soll es mit Fallbeispielen konkret werden. Die Gruppe sucht Menschen, die mit persönlichen Informationen helfen können. Erste Themen sind z. B. die Geschichte der „Brücke", die lokale Wirtschaft, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge.
Bei der Befragung von Zeitzeugen liegt ein besonderer Schwerpunkt des Projekts. „Die Interviews ergänzen das vorhandene archivische Material oder müssen es in vielen Fällen auch ersetzen, wenn wenig oder sogar kein schriftlich überliefertes Material vorliegt", so Projektmitarbeiterin Ingrid Fisch. Doch solche Gespräche müssen mit den Projektteilnehmenden sehr gut vorbereitet und geübt werden, um zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen. Die Interviews sollen mit Bild- und Tonträgern festgehalten werden.

Viele kleine und große Orte in Münster warten noch auf ihre Erforschung. „Mit diesem Projekt ist ein Anfang gemacht. Ein Projekt mit hoffentlich vielen Folgen ...", blickt Archivpädagogin Roswitha Link in die Zukunft.

Voraussichtlich am 6. November findet die Präsentation des virtuellen Stadtrundganges im Geschwister-Scholl-Gymnasium statt. Anschließend kann es über das Stadtarchiv sowie das Geschwister-Scholl-Gymnasium aufgerufen werden.

- > Zur Projektbeschreibung

- > Siehe auch den Pressebericht aus der Glocke, Oelde