
Begegnung mit junger Kunst
KINDERHAUS • Für Angelica Verleger, Stephanie Daume, und Susanne von Bülow war es gewissermaßen ein Ausflug in die eigene Studierenden-Vergangenheit. Gestern besuchten die beiden Kunstlehrerinnen und die. Kunst-Referendarin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums gemeinsam mit Direktor Heinz Beumer, dessen Stellvertreterin Ursula Schulte, der stellvertretenden Schulpflegschaftsvorsitzenden Sibylle Lück und Lena Knöfler von der Schülervertretung die Kunstakademie auf dem Leonardo-Campus. Dort unterzeichneten Beumer und der Rektor der Akademie, Prof. Udo Scheel, einen Kooperationsvertrag.
Zweiter Vertrag
Es ist der zweite Vertrag innerhalb einer guten Woche, den das Kinderhauser Gymnasium abschloss. Vor acht Tagen wurde eine Vereinbarung mit dem Fachbereich Physikalische Technik der Fachhochschule Münster unterzeichnet (die MZ berichtete ausführlich). Die zeitliche Nähe der beiden Kooperationsvereinbarungen zeige eines ganz deutlich, so Beumer: „Der naturwissenschaftliche und der künstlerische Bereich sind an unserer Schule gleich wichtig". Kunst, so der Schulleiter weiter, sei ein „wichtiger Bestandteil unseres Bildungsauftrages".
„Mut zum Profil"
Insofern passe auch dieser zweite Kooperationsvertrag zwischen dem Gymnasium und einer Hochschule sehr gut zum Leitthema der Schule, das da lautet: „Wissen, verstehen, gestalten". „Wir geben uns alle Mühe", so Beumer, den Schülern Mut zum eigenen Profil zu vermitteln". Dabei sei die Kunst ganz fest in der Schulgemeinde verankert.
Prof. Udo Scheel hörte das natürlich gerne. Für ihn, das bekannte der Rektor der Kunstakademie, sei diese Kooperation zwischen Schule und Hochschule wenige Wochen vor seiner Verabschiedung in den Ruhestand noch ein „ganz besonderer Impuls". Denn ein Kunsterzieher, erläuterte Scheel, sei in erster Linie immer Künstler. „Was ihn von einem freien Künstler unterscheidet, ist seine Aufgabe, die Kunst seinen Schülern zu vermitteln".
Das haben auch Angelica Verleger, Stephanie Daume und Referendarin Susanne von Bülow an der Kunstakademie Münster gelernt. Sie gehörten zu jenen 50 Prozent der Studierenden, die es nach ihrem Abschluss in die Schule zog. Ihre Ausbildung an der Akademie unterschied sich dabei nicht von der. der so genannten „freien Künstler". Denn „ein Kunsterzieher", so Scheel, „braucht die Erfahrung, selbst Künstler zu sein".
Das weiß auch Stefan Hölscher, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter den Dialog zwischen Schule und Kunstakademie maßgeblich betreuen und fördern will. Die Kooperation -soll dabei beiden Seiten dienen: Zum einen erhalten die Studierenden die Möglichkeit, während ihres Studiums in ihren künftigen Beruf hinein zu schnuppern. Eine „kompetent betreute Begegnung mit ihrem späteren Berufsfeld" nennt es Hölscher.
Zum anderen wird es den Kinderhauser Gymnasiasten ermöglicht, junge Kunst und junge Künstler hautnah kennen zu lernen. Zum Beispiel über Besuche der Kunstakademie, die auch räumlich nicht weit entfernt vom Kinderhauser Gymnasium liegt. Denn auch das haben alle Beteiligten gestern festgestellt. „Wir sind nicht nur Partner", sagt Heinz Beumer, „wir sind auch Nachbarn". (Stephan Oerter, MZ 27.1.2005)