
Preisverleihung 2005
Verleihung des Willi-Graf Preises im Geschwister-Scholl-Gymnasium an drei Abiturienten
"Die Geschichte kann euch niemand nehmen, außer dem Menschen selbst durch Verdrängung und Verschleierung." Mit diesen Worten rief der Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, Heinz Beumer, am Freitagnachmittag bei der dritten Verleihung des Willi-Graf-Preises zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte auf. Anneliese Knoop-Graf, die Schwester des Weiße Rose-Mitgliedes Willi Graf, hatte den Preis für zuverlässige, engagierte Abiturienten gemeinsam mit Heinz Beumer ins Leben gerufen. In ihrer Ansprache an die versammelten Gäste und die Preisträger sprach sie über ihren Bruder, seine Beweggründe in den Widerstand zu treten und die Lehren, die in heutiger Zeit daraus gezogen werden können. Ihr letzter Satz war ein Zitat von Günter Eich und ein Aufruf an alle Anwesenden: "Ja, alles was geschieht, geht euch an!"
Die Preisträger sind Beatrice Barth, Christian Lück und Daniel Paterok. Auf diese drei ehemaligen Schüler des Gymnasiums fiel die Wahl als Ergebnis von vielen Gesprächen, wie Heinz Beumer berichtete. Christian Lück wurde von Anneliese Knoop-Graf für seinen Einsatz für die Bildungsaufgaben der Schule, seine Entscheidung für Verantwortung sowie seinen sehr überzeugenden, sozialen kognitiven Charakter mit dem Preis geehrt. Er sei ein Beispiel für die Vielfalt des Guten, hob die Zeitzeugin hervor und überreichte die Urkunde zusammen mit einem Geldpreis. Die Ehrung von Beatrice Barth übernahm der Landgerichtspräsident Klaus Schelp, der den Willi-Graf-Preis bereits von Anfang an sowohl ideell als auch finanziell unterstützt. In seiner Laudatio erklärte er, er freue sich darüber, dass Jugendliche nach dem Vorbild der Mitglieder der weißen Rose Verantwortung übernehmen, denn in der heutigen Zeit sei die Politik darauf angewesen, dass "jeder die ganze Verantwortung übernimmt". Beatrice Barth wurde für ihr Engagement in Musik, Kunst und Kultur in Stadtteil und Schule geehrt. Ihr Einsatz und ihre Offenheit seien Zuversicht für andere Schüler, so hieß es auf der Urkunde.
Als ein ganz besonderes Erlebnis bezeichnete Günter Schulze-Blasum, Bürgermeister der Stadt Münster, die "würdevolle Feierstunde". Er gratulierte Anneliese Knoop-Graf für die Stiftung des Preises, der einer Schule mit dem Namen "Geschwister-Scholl" sehr gut anstehe. Dem Preisträger Daniel Paterok gratulierte er zu seiner hohen Kreativität und Intensität in der Musik und bezeichnete ihn als "Botschafter der Musik" und seine Musik als "Ausdruck menschlicher Werte".
Ein ganz besonderer Gast bei der Feierstunde war in diesem Jahr Ruwen Moskowitz aus Jerusalem. Er war bereits etliche Male im Gymnasium zu Gast, um mit den Schülern über den Konflikt zwischen Palästina und Israel zu diskutieren.
Des weiteren wurde der Nachmittag von Schülerinnen und Schülern der neunten Klasse gestaltet, die in einem szenischen Sprechen markante Worte von Willi Graf vortrugen. Der Preisträger des vergangenen Jahres, Sebastian Fischer, präsentierte eine Fotocollage, die das Leben des Weiße-Rose Mitgliedes darstellte. Zum Abschluss des Abends spielten die beiden Preisträger Beatrice Barth und Daniel Patorek das Stück "Träumerei" von Robert Schumann für Querflöte und Klavier.