Schulstress bremst Hilfsbereitschaft

Wachsender Leistungsdruck in Schule und Studium hält junge Menschen in Deutschland zunehmend von einem Ehrenamt ab. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.

Zwischen 1999 und 2009 sank der Anteil der Jugendlichen, die sich ehrenamtlich engagieren, von 37 auf 35 Prozent. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Bertelsmann-Studie. Schuld daran sind laut den Autoren der Studie die verkürzte Gymnasialzeit und die Einführung des Bachelorstudiums. Insgesamt wurden mehr als 2800 Menschen im Alter zwischen 14 bis 24 Jahren befragt.

Der Studie zufolge sind 51 Prozent der Schüler, die in neun Jahren auf dem Gymnasium ihr Abitur machen, ehrenamtlich aktiv. Unter den G8-Gymnasiasten sind nur noch 31 Prozent zum Engagement in einem Verein oder andere Ehrenämter bereit, Unter den Ganztagsschülern sind es 21 Prozent.

Je gebildeter, desto engagierter

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung zeigten sich Jugendliche nach wie vor besonders beim Engagement in Politik zurückhaltend. Dagegen habe die Arbeit in Kirchen und Kindergärten in den vergangenen zehn Jahren zugenommen.
Am wenigsten engagieren sich der Studie zufolge gering gebildete Jugendliche außerschulisch – während 44 Prozent der Gymnasiasten und Fachoberschüler Freiwilligenarbeit leisten, sind es unter den Hauptschülern 19 Prozent. Die geringe Prozentzahl führen die Autoren der Studie auch darauf zurück, dass Hauptschulen bundesweit immer häufiger abgeschafft werden.


 
Das höchste Engagement unter den Befragten zeigten Schüler aus Migrantenfamilien (54 Prozent). Sie finden der Studie zufolge jedoch wenige Möglichkeiten, aktiv zu werden. Während 31 Prozent der deutschen Jugendlichen zum Beispiel Mitglied in einem Verein sind, liegt die Quote der Schüler mit ausländischen Eltern bei 16 Prozent. „Wir müssen gerade Jugendlichen aus Migrantenfamilien, die mitmachen wollen, den Zugang zu unseren zivilgesellschaftlichen Strukturen erleichtern“, sagt Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Vereine und Organisationen täten zum Beispiel durch Projekte gut daran, dieses Potenzial zu nutzen.
mb/dpa