„Das Kind ist hier glücklich“

Münster-Kinderhaus - „Das Kind ist hier glücklich“. Anke Sundermeier, Mutter einer Tochter, die G 9 neu auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium erlebt, ist überzeugt von diesem Schulkonzept. Das Gymnasium ist eine von 13 Schulen in Nordrhein-Westfalen, die sich entschieden haben, diesen Weg zu gehen und seinen Schülern mehr Zeit zu lassen. Die Anmeldezahlen hatten sich daraufhin verdoppelt.

Anfangs seien die Eltern schon skeptisch gewesen, räumt Sundermeier, Klassenpflegschaftsvertreterin der 5 c, ein. Aber das Kollegium habe in der Schulkonferenz das Konzept überzeugend dargestellt. „Meine Tochter ist entspannt, auch wenn sie länger Unterricht hat“, sagt die Mutter aus Altenberge, die noch zwei Kinder am Gymnasium hat.

Christoph Happe, Elternvertreter der 5 b, gehörte 1975 zum ersten Jahrgang des Gymnasiums. Er sieht das genauso: „Unser Kind geht mit sehr viel Freude zur Schule“ und mache auch die Hausaufgaben gern: „Es passt.“ Burgis Janzing, Elternvertreterin der 5 a, die auch einen Sohn in der neunten Klasse hat, findet G 9 in puncto Lernatmosphäre „viel entspannter“. Uwe Deters, ebenfalls Elternvertreter der 5 a, hat am Scholl Abi gemacht. Er findet es wichtig, dass Kindern Zeit für Jugendgruppen oder ehrenamtliches Engagement bleibt.

Die G 9-Schüler haben in der fünften Klasse zwar nur 1,5 Stunden weniger als in G 8. Aber Entspannung scheint das Zauberwort zu sein. Das empfinden auch die Lehrer so. Und das überträgt sich auf die Kinder.

„Sternstunden“ - eine Stunde zusätzlich - gibt es in Deutsch, Mathe und Englisch. Die Kinder forderten ihre „Sternstunden“ ein, berichtet Brigitte Lange­bruch. Wie ihre Kolleginnen Gisela Pauge und Kathrin Hoffmann gehört sie zu den Klassenleitungsteams. Alle begrüßen auch die Lernzeiten: die Stunde am Nachmittag, nach der Mittagspause, in der Hausaufgaben gemacht werden oder Zeit ist für Binnendifferenzierung. Es sei nicht das übliche Schüler-Lehrer-Verhältnis, sondern ein ganz anderes Lernen, berichtet Erprobungsstufenkoordinatorin Gisela Pauge. Man habe einen besseren Überblick, was vom Stoff präsent sei und könne sofort ansetzen. Pauge macht mit den Kindern nebenher eine Klassenzeitung, Langenbruch nimmt römische Zahlen durch, die in G 8 gar nicht auftauchen, und auch Kathrin Hoffmann freut sich „über viele motivierte Kinder“. Ein weiteres Positivum: Die Zahl der Hausaufgaben reduziere sich, weil mehr Zeit zum Lernen sei, erläutert Langenbruch. Viele Lehrer haben eine einjährige Lions-Quest-Fortbildung gemacht: eine Ausbildung mit dem Schwerpunkt Persönlichkeitsentwicklung.

Zum einen wird entschleunigt. Zum anderen beinhaltet das G 9 neu-Konzept prinzipiell aber auch, Schüler in geförderten Gruppen in die nächste Stufe springen zu lassen.

G 9 bedeutet: zusätzliche Angebote - organisatorisch und inhaltlich. Ob Sternstunden, Lernzeiten, Fächer wie Soziales Lernen, viele Sportangebote oder beispielsweise die Filmklasse - all das gehört dazu. Weniger lernen müssen die Schüler nicht.

VON KATRIN JÜNEMANN, MÜNSTER (WN online, 23.12.2012)