Das Geschwister-Scholl-Gymnasium trauert um Anneliese Knoop-Graf

Anneliese Knoop-Graf, wie man sie am Geschwister-Scholl-Gymnasium kannte: inmitten von Schülern, denen sie das Vermächtnis ihres Bruders authentisch nahebrachte.

„Sie war ein Geschenk“

„Anneliese Knoop-Graf war ein Geschenk. Wir haben eine bewunderswerte und liebenswerte Begleitung unserer Schule verloren.“ Nicht nur Heinz Beumer, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, der sie 30 Jahre kannte, wird diese bemerkenswerte alte Dame vermissen, auch viele seiner Schüler. Sie starb nach kurzer schwerer Krankheit.Seit über zehn Jahren bestand die Verbindung des Gymnasiums zu Dr. h.c. Anneliese Knoop-Graf (1921- 2009). Die jüngere Schwester von Willi Graf, der von den Nationalsozialisten hingerichtete Widerstandskämpfer, hat das Vermächtnis der Weißen Rose in die Schule hineingetragen. Sie war eine Botschafterin für die Freiheit und hat dieses Vermächtnis ihres Bruders, sie sah es als ihren persönlichen Lebensauftrag, für Hunderte von Schülern erlebbar und nachvollziehbar gemacht.2002 verlieh das Gymnasium erstmals den Willi-Graf-Preis - übrigens als einzige Schule Deutschlands - an Schüler, die sich besonders für die Gemeinschaft engagieren.Anneliese Knoop-Graf, als Schwester von Willi Graf selbst monatelang in Untersuchungshaft, war eine wichtige Zeitzeugin für die Kinder und Jugendlichen. Sich selbst nahm sie zurück - „mir haben sie nichts erzählt“, betonte sie. Das Anliegen ihres Bruders stand stets im Vordergrund. Sie vermittelte eindringlich die Bedeutung von Zivilcourage und der Übernahme persönlicher Verantwortung.Bei den Schülern fand sie aufmerksame Zuhörer. Wohl, weil auch sie selbst zuhörte und die Heranwachsenden und ihre Fragen ernst nahm. Heinz Beumer beschreibt es so: „Sie war eine Persönlichkeit, die das Gespräch mit Würde führte.“ Geschichtslehrerin Gisela Pauge schätzte ihre „Klarheit im Denken“. Ihre liebenswürdige, geradlinige Art öffnete ihr Herzen.In den letzten Jahren wurde der Körper gebrechlicher, aber die Augen blitzten immer. Und auch wenn die weite Strecke von Bühl nach Münster für Anneliese Knoop-Graf - hoch in den 80ern - immer beschwerlicher wurde: Nach Kinderhaus zum Geschwister-Scholl-Gymnasium kam sie trotzdem.VON KATRIN JÜNEMANN, WN MÜNSTER 02.09.2009