17.11.2016

Philosophie

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium bietet in der Sekundarstufe I das Fach Praktische Philosophie für Religionsabwähler*innen an.

In der Sekundarstufe II wird Philosophie als reguläres Fach des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenbereiches in der Oberstufe angeboten.

Umsetzung des Faches

Die Schüler und Schülerinnen der Oberstufe können das Fach Philosophie ab der Einführungsphase wählen. Sie haben die Möglichkeit, es dann bis zum Abitur weiterzuführen, und können es auch als Prüfungsfach wählen, wenn sie durchgehend, also in allen Halbjahren von EF.1 bis Q.2, den Unterricht besucht haben und mindestens in der Qualifikationsphase auch Klausuren in Philosophie geschrieben haben. Wer Philosophie als Klausurfach belegt, schreibt in der Einführungsphase pro Halbjahr eine zweistündige Klausur (in der Regel eine Text-interpretation), ab der Qualifikationsphase werden zwei Klausuren pro Halbjahr geschrieben.

Wer in der Oberstufe (EF bzw. Q1) nicht am Religionsunterricht teilnimmt, muss das Fach Philosophie belegen. Schüler und Schülerinnen, die Philosophie als durchgehendes Fach des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes gewählt haben, müssen ein zusätzliches gesellschaftswissenschaftliches Fach ihrer Wahl belegen.

Wir arbeiten mit dem Lehrwerk aus dem Buchner-Verlag:

 

philo NRW. Einführungsphase. Hrsg. v. Bernd Rolf und Jörg Peters. Erarbeitet von Klaus Draken, Matthias Gillissen, Jörg Peters, Martina Peters, Bernd Rolf. Bamberg: C.C. Buchner-Verlag 2015

 


philo NRW. Qualifikationsphase. Hrsg. v. Bernd Rolf und Jörg Peters. Erarbeitet von Klaus Draken, Matthias Gillissen, Jörg Peters, Martina Peters, Bernd Rolf. Bamberg: C.C. Buchner-Verlag 2015

Das Fach wird unterrichtet von Herrn Lingnau und Herrn Dr. Brinkmann.

Was ist Philosophie?

»Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken. [...] Die Philosophie soll die Gedanken, die sonst, gleichsam, trübe und verschwommen sind, klar machen und scharf abgrenzen.«                              (Ludwig Wittgenstein, Traktat 4.112)

Wittgensteins Zitat ist selbst Ausdruck einer bestimmten Philosophie. Was die Philosophie überhaupt ist, ist nämlich nicht leicht zu sagen, da jede Antwort auf diese Frage selbst philosophischer Art ist. Im Allgemeinen lässt sich aber wohl sagen, dass sich die Philosophie mit Fragen beschäftigt, die empirisch nicht beantwortbar sind.
Der Philosoph Immanuel Kant hat vor über 200 Jahren drei Fragen formuliert, die das Feld philosophischer Bemühungen abgrenzen sollen:

1.    Was soll ich tun?
2.    Was kann ich wissen?
3.    Was darf ich hoffen?

Eine Antwort auf alle drei Fragen wäre nach ihm eine Antwort auf die Frage: Was ist der Mensch?

Themen des Philosophie-Unterrichts

Kants Systematisierung der Philosophie spiegelt sich im Lehrplan des Faches wider:

EF 1

Einführung in die Philosophie am Leitfaden von Kants drei Grundfragen:

Was ist der Mensch?

(Die Eigenart philosophischen Denkens und Fragens; Der Mensch ein besonderes Lebewesen)

EF 2

Was kann ich wissen? (Prinzipien und Reichweite menschlicher Erkenntnis)

Was soll ich tun? (Fragen der Moral und Ethik; Umfang und Grenzen staatlichen Handelns)

Was darf ich hoffen? (Metaphysische Probleme als Herausforderung der Vernunft)

Q 1.1

Anthropologie (als Vertiefung der Frage: Was ist der Mensch?)

Q 1.2

Ethik (als Vertiefung der Frage: Was sollen wir tun?)

Q 2.1

Staatsphilosophie und Sozialphilosophie

(als Vertiefung der Frage: Was sollen wir politisch tun?)

Q 2.2

Erkenntnistheorie

(als Vertiefung der Frage: Was kann ich wissen?)

Ziele des Philosophie-Unterrichts

Kant war der Auffassung, man könne nicht Philosophie lernen, sondern nur das Philosophieren. Als Aufklärer fühlte er sich drei methodischen Regeln verpflichtet, die auch heute noch im Philosophieunterricht als zu erwerbende Kompetenzen zur Geltung kommen:

Selber denken.

Sich an die Stelle jedes andern denken.

Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken.

Kants idealistischer Widerpart Georg Wilhelm Friedrich Hegel betonte schon bald, das Philosophieren übe sich am besten in der Auseinandersetzung mit den Systemen der Philosophie.

Und so ist der heutige Philosophieunterricht der Versuch, beide Ansätze zu vereinen. In der Erarbeitung durch das Zentralabitur vorgegebener Inhalte werden philosophische Methoden trainiert, die schließlich zum eigenständigen Durchdringen gedanklicher Probleme verhelfen.

Für den Philosophie - Unterricht bedeutet das, dass die Schüler*innen selbst philosophieren sollen und nicht nur etwas über die Philosophie bestimmter Philosophen erlernen. Das darf aber nicht mit dem bloßen Äußern seiner Meinung wie in einer Talkshow verwechselt werden, denn es kommt immer auf die Begründung und Rechtfertigung an, die ähnlich wie in der Mathematik sehr abstrakt und allgemeingültig entwickelt werden muss. Dabei werden verschiedene Fähigkeiten trainiert, die einem nicht nur im Philosophie - Unterricht zugute kommen:

  • rationales Argumentieren,
  • Fragen und Probleme denkend erschließen,
  • Analysieren von philosophischen Texten,
  • selbstständiges Urteilen,
  • selbstständige Wertorientierung.


Inhaltlich stehen neben den Einzelthemen folgende allgemeine Ziele im Vordergrund:

  • Überblick über philosophische Grundpositionen erlangen,
  • Hintergründe abendländischer Kultur kennen lernen,
  • Wurzeln der (Natur-)Wissenschaft, des Staatswesens, der Moral und philosophischer Sinnentwürfe kennen lernen,
  • Zusammenhang zwischen wissenschaftlichem Wissen und Weltbild erkennen.

Was nun?

Wer überlegt, das Fach Philosophie zu wählen, sollte sich die folgenden Fragen ehrlich beantworten:

  • Denke ich gerne nach?
  • Denke ich gerne selbst?
  • Lese ich gerne anspruchsvolle und auch längere Texte?
  • Setze ich mich gerne mit den Gedanken anderer auseinander?
  • Bin ich bereit, meine Gedanken mit (anderen) zu teilen?
  • Interessiere ich mich – etwa in Mathematik – dafür, warum ein Problem auf eine bestimmte Weise gelöst werden kann, oder reicht es mir zu wissen, wie die Lösung funktioniert.
  • Kann ich damit leben, dass ich noch nicht alles weiß und verstehe?
  • Bin ich bereit, meinen Horizont zu erweitern?
  • Ist es für mich akzeptabel, dass es nicht auf alles eine einfache Antwort gibt?
  • Halte ich es aus, Fragen offen zu lassen?