Zur Stärkung der informationstechnischen Bildung unserer Schülerinnen und Schüler haben wir an unserer Schule das für alle verpflichtende Fach Informatik eingeführt. Wir entsprechen damit einem Wunsch der Mehrheit der Eltern und Schüler in Deutschland (vgl. hierzu diese Pressemitteilung).
Die Schulkonferenz des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, Münster hat in ihrer letzten Sitzung im Schuljahr 2007/2008 folgenden Beschluss gefasst:
Die bisher gepflegte Praxis, in den Klassen 5 bis 7 jeweils freitags für eine begrenzte Zeit den lt. Stundenplan vorgesehenen Unterricht durch eine informationstechnische Grundbildung zu ersetzen, wird beibehalten
Darüber hinaus wird in den Klassen 8 und 9 das Fach Informatik als reguläres Unterrichtsfach im Umfang von zunächst einer Wochenstunde eingeführt. Es wird angestrebt, dieses Modell als Schulversuch anerkennen zu lassen.
Während der Unterricht in den Klassen 5 bis 7 seine Berechtigung aus der Verpflichtung zur IKG (informations- und kommunikationstechnologische Grundbildung) durch Einbettung in die unterschiedlichen Unterrichtsfächer erhält, stammt der Unterricht in den Klassen 8 und 9 aus dem Ergänzungsstundenkontingent, das in der Stundentafel der Sekundarstufe I ausdrücklich ausgewiesen ist.
Ziel des neu eingeführten Faches Informatik und der vorgelagerten Grundbildung soll sein, ein tieferes Verständnis für dieses Fach zu entwickeln. So, wie es im Deutschunterricht nicht ausreicht, den Schülerinnen und Schülern lediglich die Technik des Lesens und Schreibens beizubringen, reicht es in Zeiten zunehmenden Einflusses des Faches Informatik und der hierauf beruhenden Technologien nicht mehr aus, die Bedienung von Standardsoftware zum alleinigen Unterrichtsgegenstand zu machen. Betrachtet man die Entwicklung in anderen Bundesländern, so ist damit zu rechnen, dass der dort zu beobachtende Trend, die Gegenstände aus dem Bereich der Informatik unter dem Stichwort der Objektorientierung zu betrachten, auch NRW erreichen wird. Wir gestalten den Informatikunterricht seit Beginn dieses Schuljahres unter Berücksichtigung dieser Tendenz
In diesem Schuljahr ist es gelungen, das Fach Informatik im Umfang von einer Wochenstunde in den Stundenplan zu integrieren, mittelfristig soll der Unterricht aber auf zwei Wochenstunden ausgedehnt werden. Unter dem Blickwinkel der Objektorientierung werden folgende Bereiche angesprochen:
Klasse 5: Die grundlegenden Begriffe Klassen, Objekte, Attribute und Methoden werden mit Hilfe eines Vektorgrafikprogramms eingeführt und parallel auf den Umgang mit Dateien und Verzeichnissen übertragen.
Klasse 6: Die Schülerinnen und Schüler erlernen den sachgemäßen Umgang mit einem Textbearbeitungsprogramm. Hierbei werden die Textelemente (Zeichen, Absätze, Seiten, Grafiken, Tabulatoren usw.) als Objekte mit ihren Methoden und Eigenschaften erkannt.
Klasse 7: Erster Umgang mit einem Tabellenkalkulationsprogramm. Hier geht es zunächst um einfache Berechnungen, die Unterscheidung zwischen absoluten und relativen Bezügen sowie die Möglichkeiten, Daten grafisch mit Hilfe verschiedener Diagramme darzustellen.
Klassen 8 und 9: Weiterführende Arbeit mit einem Tabellenkalkulationsprogramm. An geeigneten Beispielen werden komplexere Funktionen (MIN, MAX, MITTELWERT, WENN, SVERWEIS) eingeführt.
Da im Zusammenhang mit dem Autorensystem Mediator der Umgang mit Grafiken und Sounds erforderlich ist, soll im Anschluss eine Einführung in die Programme „Gimp“ und „Audacity“ erfolgen. Anschließend erfolgt ein Einstieg in den Bereich "Methoden der Softwareentwicklung" über das Programm Mediator. Zum einen gestattet ein solches Programm die Vermittelung von Medienkompetenz, zum anderen wird ein sehr behutsamer Einstieg in die Programmierung ermöglicht.
Von Beginn an wird ganz natürlich mit Objekten umgegangen, es wird auf die verschiedenen Eigenschaften von Objekten eingegangen und darauf, wie man diese Eigenschaften verändern kann. Das Programm "Mediator" arbeitet mit einer visuellen Programmierumgebung. In der Regel programmiert man nach dem "Baukastenprinzip", indem bestimmten Ereignissen bestimmte Aktionen zugewiesen werden. Auch auf dieser Ebene geht es um Algorithmen, um strukturiertes Programmieren und um Kontrollstrukturen.
Ganz wichtig für die Entscheidung mit dem Programm Mediator zu arbeiten war, dass es unseren Schülerinnen und Schülern ermöglicht wird, produktbezogen zu arbeiten. Sie erhalten den Auftrag, ein bestimmtes Softwareprodukt zu entwickeln (Puzzle, Memoryspiel, Galgenmännchen, Taschenrechner, usw.). In einem überschaubaren Zeitrahmen gelingt es in der Regel, diese Produkte zu erstellen, auf CD zu brennen und so zu nutzen, wie man es von professionell erstellten Programmen kennt. Dieses produktorientierte Vorgehen hat sich als sehr motivierend erwiesen. Bei der Arbeit mit dem Autorensystem werden immer wieder mehr oder weniger ausführlich Seitenwege beschritten, in denen weitere Themen aus dem Bereich der Informatik bzw. der informationstechnologischen Grundbildung angesprochen werden können.
Jürgen Ullwer, Oktober 2009