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Schweigeminute anlässlich der Ermordung des französischen Lehrers Samuel Paty

Heute um 11:15 schloss sich auch GSG und GSR der europaweiten Schweigeminute an.

Diesen Text lasen die Schulleiter von Gymnasium und Realschule im Wechsel über die Lautsprecheranlagen vor:

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Geschwister-Scholl-Schulzentrum!
Ich bitte um eure und um Ihre Aufmerksamkeit!

Am 16.10.2020 wurde in einem Vorort von Paris in Frankreich der Lehrer Samuel Paty ermordet, weil er im Unterricht mit seinen Schülerinnen und Schülern eine Karikatur des Propheten Mohammed gezeigt und darüber gesprochen hat. Er wurde nicht von einem Schüler oder einer Schülerin der Schule getötet; vielmehr hat der Täter über die sozialen Medien von dem Lehrer erfahren und ihn dann als Opfer für eine Gräueltat ausgewählt.

Da es sich hier um die Ermordung eines Lehrers in Ausübung seines Berufes handelt, schockiert uns diese Tat als Schule in besonderer Weise.

Samuel Paty galt als sehr engagierter Lehrer, der oft mit seinen Schülerinnen und Schülern diskutiert hat – immer vor dem Hintergrund und auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundwerte. Ihm war es ein großes Anliegen, dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Meinung und ihren eigenen Standpunkt entwickeln und darstellen konnten. So verstand er – und so verstehen auch wir hier am Geschwister-Scholl-Schulzentrum unseren – Bildungsauftrag.

Samuel Paty wurde Opfer einer Weltanschauung, die es für gerechtfertigt ansieht, wenn Menschen, die eine andere Meinung oder einen anderen Glauben haben, dafür getötet werden. Dies ist allerdings Willkür und Terror(ismus).

Natürlich können sich Menschen über diese gezeigten Karikaturen ärgern, sie für falsch oder daneben halten. Natürlich können auch gläubige Menschen dies als Beleidigung auffassen.

Aber - niemand hat das Recht - auch Menschen mit einer bestimmten religiösen Weltanschauung haben nicht das Recht - einen anderen Menschen aufgrund seiner Weltanschauung, seiner Religion oder einer anderen Meinung zu bedrohen, körperlich anzugreifen oder sogar zu töten.

Im Geiste der Geschwister Scholl, die auch eine andere Meinung als damals viele Menschen in Deutschland hatten, machen wir deutlich, dass die Meinungsfreiheit, die Menschenwürde und das Recht auf ein unversehrtes Leben unantastbar sind. Die Geschwister Scholl haben viele Wege gesucht, um andere Menschen von ihrer Einschätzung des Nationalsozialismus zu überzeugen; sie haben aber niemals Menschen bedroht, körperlich verletzt oder getötet.

Wir als Geschwister-Scholl-Schulen sagen entschieden „NEIN“ zu jeglicher Art von Terror und Gewalttaten.

Wir sagen „JA“ zu einer freien Meinungsäußerung in einem freiheitlich-demokratischen Land.

Wir solidarisieren uns mit den Lehrerinnen und Lehrern in Frankreich und setzen gemeinsam ein Zeichen gegen jegliche Art von Gewalt und Terror.

Samuel Paty war Vater eines 5-jährigen Kindes, er war der Partner seiner Frau, er war ein sehr engagierter Lehrer und er war Mensch.

Unsere Gedanken sind heute bei der Familie von Samuel Paty, seinen Kolleginnen und Kollegen, seinen Schülerinnen und Schülern.

Wir bitten Sie und euch nun, die Arbeit ruhen zu lassen, aufzustehen und eine Minute schweigend des getöteten Lehrers Samuel Patys zu gedenken.

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